Chorgestühl

Das Chorgestühl schuf Anton Dorasil, unterstützt von mehreren Schülern, nach den Modellen Ferdinand Maximilian Brockhofs, von dem noch einige Figuren stammen dürften. 1735 war es in der Hauptsache vollendet.

Es ist in Verbindung mit dem Kuppelfresko gedacht. Aus der großen Gemeinschaft des Himmels schwingen sich 50 Heilige auf die Erde hinab und nehmen auf der Bekrönung des Gestühls Platz. So viel Plätze im Chor, so viel Heilige als Schutzpatrone der einzelnen Mönche. Apostel und Propheten, Märtyrer und Bekenner, Frauen und Jungfrauen singen mit den Mönchen den Lobgesang „Te Deum laudamus – Großer Gott wir loben Dich!“ Ein Chor von Engeln begleitet ihn mit Sphärenmusik. Nur die Barockzeit war fähig, eine so gewaltige Idee künstlerisch durchzuführen.

Das Chorgestühl stand nicht immer so wie heute. Vor der Klosteraufhebung waren die Altäre mit Gott Vater und Gott Sohn, die jetzt an den Pfeilern vor dem Hochaltar lehnen, an der Vorderseite des Chores als Abschluss gegen das Schiff. Den Mittelgang verschloss ein Gitter von Schmiedeeisen, das von einer Darstellung des Hl. Geistes überragt wurde. An der Rückseite der Altäre waren unter Säulentempelchen die Sitze des Abtes und des Priors. Heute fehlt der straffe Zusammenhang des Werkes.

Der ganze Lobgesang „Te Deum“ ist im Bilde dargestellt, oder doch wenigstens auf den Schriftbändern und Buchern der Figuren geschrieben. Die wichtigsten Texte seien besonders hervorgehoben. Der „Vater von unendlicher Majestät“ und sein „anbetungswürdiger eingeborner Sohn“ thronen auf den beiden erwähnten Altären. „Der Hl. Geist, der Tröster“ war einst am abschließenden Gitterwerk zu sehen. „Alle Engel“ loben den Herrn, dessen Preis sie von den Ecksäulen gegen das Schiff der Kirche hinab verkünden. „Himmel und Erde“ sind als Himmels- und Erdglobus auf der Bekrönung der Altäre zu sehen. „Alle Völker“ werden durch die Darstellung der vier Erdteile an den Säulen vertreten (Hermenatlanten, entsprechend den Figuren am Hochaltar), Europa als Rittersmann, Asien als türkischer Pascha, Afrika und Amerika als Neger und Indianer. „Cherubim und Seraphim singen unaufhörlich: Heilig, Heilig, Heilig!“ von den Ecksäulen des Gestühls gegen den Hochaltar hin. Nun folgen die vier großen Heiligengruppen über den Sitzen der Mönche. „Dich lobt der glorreiche Chor der Apostel.“ Um Christi Kreuz scharen sich die heiligen Zwölfboten, jeder vom Künstler so erfasst, wie sein Charakterbild in der Hl. Schrift aufscheint. In der Mitte jubelt Johannes in heiliger Liebesglut zum Kreuz empor, bei dem er auf Golgatha mutig ausharrte, während Petrus in die Knie sinkt und, eingedenk seiner dreimaligen Verleugnung, am Fuße des Kreuzes bittere Reuetränen vergießt. Unterhalb der Gruppe ein vergoldetes Relief: die apostolische Tätigkeit des hl. Bernhard, der ob des Gedränges der Zuhörer von einem Baume aus predigt. „Dich preist der Propheten lobwürdige Schar.“ Um die eherne Schlange gesellen sich in sehnsüchtiger Heilandserwartung die Väter des Alten Bundes: Moses mit dem Stab, Abraham mit der Landkarte des Gelobten Landes, David mit der Harfe, der Hohepriester Aaron und verschiedene Propheten. Das Relief zeigt den prophetischen Traum des Herzogs Bolko, den Gott ermahnt, das versprochene Kloster Grüssau zu gründen. – „Dir jauchzt der Märtyrer schimmerndes Heer.“

Grundstimmung dieser Gruppe ist der Siegesjubel. Um einen Palmbaum, das Zeichen des Sieges und des Martyriums, sehen wir eine Schar von Blutzeugen.

Vorne von links nach rechts: Katharina mit dem Rade, der Diakon Vinzenz, der Erstlingsmartyrer Stephanus mit Steinen, Laurentius mit dem Rost, Ursula und Johannes von Nepomuk mit dem Kreuz.

Rückwärts von links beginnend: Herzog Wenzel von Böhmen, Herzogin Ludmila von Böhmen, Stanislaus Bischof von Krakau, ein unbekannter Märtyrerbischof, Barbara mit dem Kelch und Sebastian.

Das Relief zeigt die legendäre Ermordung der Grüssauer Mönche durch die Hussiten 1426. – „Dich bekennt auf dem Erdenrund die heilige Kirche.“ Um das dreifache päpstliche Kreuz versammeln sich Päpste, Bischöfe, Mönche und heilige Frauen. Vorne von links beginnend: Humbelina die Schwester des hl. Bernhard, Augustinus mit dem Flammenherz der Gottesliebe, der Kirchenlehrer Ambrosius mit Buch, der Papst Gregorius der Große, Rosalia von Palermo mit einem Kranz von Rosen, Tezelin der Vater des hl. Bernhard, der als Greis Mönch wurde. Rückwärts von links beginnend: Helena die Mutter Konstantins d. Gr., Thomas von Aquino, der Zisterzienserpapst Eugen III., der Zisterzienserbischof Petrus von Tarantaise, Ignatius von Loyola und die Zisterziensernonne Luitgardis. Als Relief die Szene, wie Maria dem heiligen Abte Alberich das weiße Ordenskleid der Zisterzienser überreicht.

Über den Mitteltüren des Chorgestühles stehen auf Kissen, deren Quasten mächtige Adler halten, die Standbilder des hl. Bernhard mit den Leidenswerkzeugen Christi und der hl. Herzogin Hedwig von Schlesien mit Fürstenhut und Hermelinmantel. Ein noch nicht ermittelter Maler schmückte die Rückseite der vier Gestühlswände mit Bildern in Zweifarbentechnik. Auch sie beziehen sich auf das Te Deum. Hinter der Apostelgruppe: „Du sitzest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters.“ Ein Bild aus der Geheimen Offenbarung: Gott Vater auf dem Throne, zu seiner Rechten das Lamm, um ihn die Erzengel in Gestalt von sieben Feuerflammen und die 24 Ältesten in ehrfurchtsvoller Anbetung. – Hinter der Prophetengruppe: „Du hast den Gläubigen das Himmelreich erschlossen“, die Himmelfahrt Christi.

Hinter der Märtyrergruppe: „Du bist der König der Herrlichkeit, Christus!“ Der Heiland, durch dessen leibliche Hülle das Licht der Gottheit bricht, zeigt sich auf dem Tabor seinen Jüngern in der Verklärung.

Hinter der letzten Gruppe: „Wir glauben, dass Du als Richter wiederkommen wirst.“ Auf den Wolken des Himmels erscheint der Weltenrichter mit dem Kreuz. Sonne und Mond verlieren ihren Schein, die Sterne fallen vom Himmel, ungestüm braust das Meer. Die Sünder verzweifeln und selbst die Gerechten wehklagen. Mit ganz einfachen Mitteln und wenigen Personen erzielt der Künstler einen starken Eindruck.

An der Brüstung der Kniebänke erläutern vier vergoldete Reliefs den Vers, der stets kniend gesungen wird: „Zu Dir nun flehen wir, komm Deinen Dienern zu Hilfe, die Du mit Deinem kostbaren Blute erlöst hast!“ Rechts sehen wir das Flehen der Kirche im gemeinsamen Gebet (Bittprozession) und Privatgebet (Pilger vor dem Kreuz), links die Zuwendung der Erlösungsgnade durch Sakrament (Eucharistie) und Segnung (Flursegen und geweihte Glocke). Zugleich sind auf diesen Reliefs die vier Tageszeiten dargestellt: Sonnenauf- und Untergang, Mittag und Mitternacht, ein Hinweis auf den Vers: „Bewahr uns Herr an diesem Tag von Sünden frei.“

Die vier Flammenvasen auf der Brüstung sind eine Art Jahreskalender; sie tragen die Zeichen der 12 Monate: „Tag für Tag preisen wir Dich.“ Ein Blick ins Kuppelfresko weckt endlich den Wunsch: „Lass uns in ewiger Herrlichkeit Deinen Heiligen beigezählt werden.“


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