Kloster Grüssau

Die ersten Anfänge des Klosters Grüssau reichen in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Herzogin Anna von Schlesien, die Wittwe des im Kampfe gegen die Tataren gefallenen Herzogs Heinrich II. des Frommen, stiftete 1242 im Waldtal des Ziederflusses eine Propstei für böhmische Benediktinermönche aus Opatowitz. Diese besiedelten und kultivierten den vom einstigen Grenzwald bestandenen Landstrich an der böhmischen Grenze.

Herzog Bolko I. von Schweidnitz und Jauer übergab 1292 die Propstei deutschen Zisterziensermönchen aus dem schlesischen Heinrichsau bei Münsterberg. Er stattet das zur selbstständigen Abtei erhobene Kloster mit reichen Ländereien und Einkünften aus. Freigebige Stiftungen und die sprichwörtliche Wirtschaftstüchtigkeit der Mönche mehrten den Besitz des Klosters, dessen Güter sich bis vor die Tore von Schweidnitz, Reichenbach, Striegau und Hirschberg erstreckten.

Ein Gebiet von 297 Quadratkilometer mit den Städten Schömberg, Liebau und 42 Dörfer gehorchten dem „Abt und Herrn des hochfürstlichen Stiftes Grüssau“. Das Kloster wurde zum Kulturmittelpunkt eines Großteils des Riesengebirges und der benachbarten Gaue Deutschböhmens.

Die Raubzüge der böhmischen Hussiten, die 1426 auch Grüssau verwüsteten, brachten einen empfindlichen Rückschlag. Nach wenigen Jahrzehnten hatte die großzügige Siedelungspolitik der Äbte die Schäden wieder geheilt. Noch verhängnisvoller waren die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, dessen ganze Schrecken sich über das Klosterland ergossen.

Grüssaus größter Abt Bernhard Rosa (1660/96) führte das Kloster nach vorübergehendem Verfall zu höchster innerer und äußerer Blüte. Er berief aus dem benachbarten Österreich einen Stamm von Künstlern, die das einheimische Kunstgewerbe begründeten, das in einer lückenlosen Reihe von Baumeistern, Bildhauern, Malern und Kunsthandwerkern bis zur Klosteraufhebung fortbestand. Ihre Werke sind über ganz Niederschlesien verbreitet. Das Grüssauer Gymnasium wurde ein Bildungszentrum für weite Kreise.

In langen Friedensjahren entwickelte sich die Leinenindustrie der Untertanen und wurde zu einer wahren Goldquelle. Damals entstanden jene monumentalen kirchlichen und profanen Bauwerke, die im heute wieder verarmten Berglande so eigenartig wirken.

Die Besitznahme Schlesiens durch Preußen endete das Goldene Zeitalter Grüssaus. Mitten im Kampfgebiet gelegen, litt es während der drei Schlesischen Kriege Entsetzliches. Die neugezogene Reichsgrenze schnitt die alten Handelswege nach dem Süden ab, der Leinenhandel verfiel, der Volkswohlstand sank. Die preußische Regierung belastete das Kirchenvermögen bis zur äußersten Grenze des Möglichen mit Steuern. Es begann für die alte Kulturstätte ein langer, schmerzlicher Todeskampf, der mit der Aufhebung des Klosters im Jahre 1810 endete. Die Mönche wurden ausgewiesen, das Gymnasium wurde geschlossen, die Künstler wanderten ab, die Denkmäler einer großen Zeit gerieten in Verwahrlosung, das Dorf verarmte.

Seit 1919 haben wieder Mönche das verödete Kloster besiedelt. Benediktiner, die der Umsturz wegen ihres Deutschtums aus Prag verdrängte, fanden hier ein neues Heim. Mit ihrem durch 14 Jahrhunderte geschulten Sinn für Kunst und Tradition suchen sie die anvertrauten Kunstdenkmäler zu erhalten und wiederherzustellen. Freilich stehen ihnen dabei nicht mehr die Mittel früherer Zeiten zur Verfügung. 1924 ward das Kloster wieder zum Rang einer Abtei erhoben.


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