Johannes-Evangelium

Professor Bernhard Lang (Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften) teilt in seinem Einführungswerk zur Bibel das Verhältnis der katholischen Kirche gegenüber der „historisch-kritischen Exegese“ in drei Phasen ein. Für die erste lange Phase der „Abwehr“ steht exemplarisch die Verbrennung von Richard Simons (1638-1712) „Kritischer Geschichte des Alten Testaments“ im Jahre 1678. Im Mittelpunkt der Phase des „Angriffs“ (die Jahre 1893 – 1930) steht das päpstliche Rundschreiben „Providentissimus Deus“ (Papst Leo XIII., 1893) und die 1902 ins Leben gerufene „Päpstliche Bibelkommission“.

1902 eingesetzt, tritt sie in den Jahren 1905 – 1915 mit vierzehn kurzen Erklärungen hervor, in denen sie nahezu alle Neudeutungen der kritischen Exegese beim Namen nennt und ausdrücklich verwirft.Lang, Die Bibel, 163((Lang, Bernhard: Die Bibel. Eine kritische Einführung (UTB 1594). Paderborn: Schöningh Verlag, 1990))

Unter Papst Pius X. bekräftigte die Päpstliche Bibelkommission z.B. am 29. Mai 1907, „dass der Apostel Johannes und kein anderer als Verfasser des vierten Evangeliums anzuerkennen ist“.
Die Bibelkommission stütz sich dabei auf einen „historischen Beweis“, d.h. auf die Überlieferung((Vgl. Denzinger / Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen Nr. 3398, 38. Auflage, 1999, S. 930)):
– das Zeugnis und Aussagen der heiligen Väter, der Kirchenschriftsteller
– Aussagen von Häretikern
– der Name des Verfassers des vierten Evangeliums sei „immer und überall“ in den Kanon und die Verzeichnisse der heiligen Bücher aufgenommen worden
– der öffentliche liturgische Gebrauch von Anfang an
Die Verwandschaft dieses Evangeliums mit dem „1. Brief des Apostels Johannes“ sei offensichtlich. Zusammen mit „dem für sich betrachteten Text des vierten Evangeliums“ und dem „Zeugnis des Schreibers“ würden sie die Überlieferung bestätigen.
Die Kommission betrachtet das Johannes-Evangelium als ein „im eigentlichen Sinne historisches Dokument“. Sie wendet sich gegen Behauptungen, die „im vierten Evangelium erzählten Tatsachen“…
– seien vollständige oder teilweise Erfindungen („totaliter vel ex parte conficta“)
– seien Allegorien oder lehrhafte Symbole („allegoriae vel symbola doctrinalia“)
– seien nicht eigentlich und wahrhaft Reden von Jesus selbst („non proprie et vere ipsius Domini sermones“)
– seien (Jesu in den Mund gelegte) „theologische Zusammenstellungen des Schriftstellers“ („compositiones theologicas scriptoris“)
Schwierigkeiten im Vergleich mit den synoptischen Evangelien könnten weiterhin vernünftig gelöst werden.

Bernhard Lang sieht in den Jahren um 1935 bis 1965 eine dritte Phase der Rezeption bzw. des Wandels hinsichtlich der kritischen Exegese. Bereits Kardinal Augustin Bea (1881-1968), der 1930 Rektor des 1909 gegründeten „Päpstlichen Bibelinstituts“ in Rom geworden war, habe „mit großem Geschick und Umsicht“ eine Änderung des kirchlichen Klimas erreicht. Zum 50. Jahrestag von „Providentissimus Deus“ erschien unter Papst Piux XII. ein neues Rundschreiben: „Divino afflante Spiritu“.


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